31.03.10
Drosera capensis ist die Einsteigerpflanze schlechthin. Ein Anfänger müsste ihn schon schlimm behandeln, um ihn umzubringen. Capensis war auch mein erster Sonnentau. Als ich ihn im Sommer 2008 kaufte, sah er aus, wie irgendein Gestrüpp, aber nicht wie ein Sonnentau. Damals war ich noch völlig ahnungslos und dachte mir auch nichts dabei, dass er keine Leimtropfen hatte. Nach einer Woche auf dem Balkon kamen dann aber die ersten neuen Blätter, die voller Leimtropfen waren und jede Menge Insekten fingen. Wenn die Blätter voller toter Insektenkadaver hängen, ist das für Viele ein unschöner Anblick - ich finde es phantastisch.
Drosera capensis kann man ganzjährig im Zimmer halten. Auch eine Winterruhe mit Temperaturen bis zu 5°C ist möglich, bspw. in einem beheizten Gewächshaus. Er soll auch schon unsere Winter draußen überlebt haben. Die Pflanze stirbt dann oberirdisch ab und treibt im Frühjahr aus den Wurzeln neu aus. Allerdings ist diese Kulturform in unseren Breiten i.d.R. nicht zu empfehlen.
Ich habe D. capensis bis kurz vor Weihnachten draußen gehalten. Erste Fröste, Schneestürme...alles kein Problem für diese Art. Sie hat noch nicht mal ihren Fangschleim verloren. Dann habe ich sie aber trotzdem reingeholt. Sie fing dann mit Blütenbildung an, die bei jeder einzelnen Pflanze zeitgleich nach ca. 6 Wochen einsetzte. Inzwischen befinden sich die Pflanzen wieder auf dem Balkon und ich ernte Samen ohne Ende. Nach den Rausstelen gab es eine kurze Anpassungszeit, in der die Pflanzen ihren Fangschleim verloren (kühle Nächte). Neue Blätter haben aber wieder Fangschleim und fangen schon Insekten.
Ganz klar kann ich sagen, dass eine Pflanze, die eine Winterruhe hatte, eine stärkere Blütenbildung hat, als eine Pflanze, die ganzjährig warm steht.

Neben der typischen Form, existieren viele Typen, die von der Normalform abweichen, aber überwiegend unter den gleichen Bedingungen kultiviert werden. Ich kultiviere neben der typischen Form noch die Typen, `Large´ - eine besonders hochwachsende Form, die Stämme bildet und wie eine kleine Palme aussieht, `Red´ - eine Form, die sich bei genügend Sonne komplett rot einfärbt und `Alba´ - eine Albinoform, die nur bei viel Sonne leicht rötlich schimmert und fast weiße Tentakel und Blüten hat. Die Form 'Baines Kloof' habe ich zudem aus Samen gezogen. Die Keimrate war fast null. Da habe ich wohl jemand seine Uralt-Samen abgenommen. Aber dennoch habe ich eine Jungpflanze erhalten. Dazu sicher irgendwann mehr.

Die rote Form von D. capensis kultiviere ich seit Sommer 2009. Die Pflanzen auf dem Foto sind bereits Nachzuchten aus Wurzelschnittlinge. Ihre Knallrote Farbe entfalten sie nur bei wirklich sehr heller Kultur im Sommer unter freiem Himmel, oder mit starker Kunstbeleuchtung. Direkt unter der Lampe sind einige Exemplare bei mir auch jetzt im Dezember voll ausgefärbt. Bei weniger Licht sind sie von der Normalform nur dadurch zu unterscheiden, dass auch die Blattstiele sich leicht rötlich einfärben. Bei der Normalform sind ja nur die Tentakel rot gefärbt.

30.09.10
Hier ein aktuelles Bild von Drosera capensis. Ich kultiviere diese Pflanzen schon seit Sommer 2008 in diesen Klumpen. Als ich sie dann in diesen 16cm Topf (oder sollte man besser von Kübel sprechen?) setzte, habe ich alles so belassen, wie es war und sie einfach in ihr neues Zuhause gestopft - mit den ganzen Gedöns an toten Pflanzenmaterial. Die Pflanzen scheinen auf ihren eigenen abgestorbenen Blättern zu wachsen. Anfangs waren es 8 nicht voll ausgewachsene Pflänzchen, die an akuten Lichtmangel litten, heute mögen es 20 oder mehr sein - ich weiß es nicht. Die mittleren Pflanzen bilden Stämme, um aus diesem Klumpen rauszuwachsen und ans Licht zu gelangen. Das mag ungepflegt aussehen, aber so wächst Drosera capensis in der Natur. Ich habe die Pflanzen seit einiger Zeit im Doppelfenster, wo ich sie auch kühl und überwiegend frostfrei überwintern werde. Sie stehen dort nicht, weil es ihnen draußen zu kalt wäre. Sie stehen dort, weil ich die, noch in großer Zahl vorhandenen, Samen abernten will. Bei kühlem Herbstwetter würde sich der Reifeprozess der Samen langsam gestalten oder sie würden einfach am Stiel verrotten, bevor sie reif sind. Ich habe diese überaus robuste Pflanze im letzten Jahr erst reingeholt, als kurz vor Weihnachten der harte Winter begann. Leichte Fröste und dauerhaft kalte Temperaturen, können dieser robusten Art nichts anhaben. Die Anzahl der Samen, die ich hier ernte, ist gigantisch. Es gibt 2 Blühphasen im Frühjahr und im Sommer. Die Pflanzen blühen in diesen Phasen gewöhnlich zweimal. Oft teilt sich noch der Blütenstängel in zwei Teile. Ich glaube heute, dass die Anzahl der Samen, die in einer Sommersaison geerntet werden können, allein in diesem Kübel in die Millionen geht. Ich habe diesen Sommer extrem viel Wildaussaat von D. capensis in meinen Töpfen auf dem Balkon und im Moorkübel. Diese Jungpflanzen wachsen auch jetzt noch munter weiter. Ich denke im Winter werden sie eingehen. Unmöglich diese Pflänzchen alle zu retten.
Die Pflänzchen rechts im Bild sind übrigens Drosera aliciae. Sie werden hier zusammen mit D. capensis kühl überwintert.

Hier noch Bilder dreier weiterer Formen von Drosera capensis. Von links nach rechts: D. capensis 'Red', Standort Giftberg, Südafrika; D. capensis 'Alba', die Albinoform von D. capensis und D. capensis 'Large', die anders als die gewöhnliche Form immer Stämme bildet. Gewöhnlich bildet D. capensis diese Stämme, um sich von der umliegenden Vegetation abzuheben und ans Sonnenlicht zu gelangen.
Auch diese drei Formen, die ich erst seit Sommer 2009 kultiviere, stehen in 16cm Kübeln und haben diese schon ganz gut zu gewuchert.
18.01.12
Eine weitere Form von Drosera capensis ist in meiner Sammlung aufgetaucht. Baines Kloof – eigentlich ist diese Bezeichnung irreführend, denn es handelt sich hier im Grunde nur um eine Standortangabe. Der Baines Kloof Pass in Südafrika ist dieser Standort, an dem eine besondere Form von Drosera capensis beheimatet ist. Diese Form zeichnet sich dadurch aus, dass sie sehr hohe Stämme bilden kann und besonders breite Blätter trägt, die im Verhältnis zur typischen Form auch etwas kürzer sind. Zudem färben sich die Pflanzen etwas intensiver aus. Alles in Allem ist diese spezielle Wuchsform, die wie eine kleine Palme aussieht, eine recht bizarre Erscheinung. Am Baines Kloof Pass selbst, kommt aber auch die typische Form vor. Deshalb ist die Bezeichnung „Baines Kloof“, wie sie häufig in Bestandslisten zu lesen ist, im Grund unzureichend. Der Karnivorenfreund, geht dann aber einfach davon aus, dass es sich um diese spezielle Wuchsform handelt, denn botanisch gesehen handelt es sich einfach nur um Drosera capensis, die sich nicht in Unterarten unterteilt.
Schon vor längerer Zeit habe ich Samen dieser Form erhalten, hatte aber, wie ich meinte, keinen Keimerfolg. Nun gut – ein Samenkorn hat es dennoch geschafft. Irgendwann tauchte diese Pflanze mit ihren breiten Blättern in einem meiner Töpfe auf. Noch ist die Pflanze, die man mit Fug und Recht einen Spätzünder nennen kann, nur einige Zentimeter hoch, aber ich denke, sie wird im Sommer schon eine adulte, blühfähige Pflanze sein.
Ich bin selbst gespannt, wie sich das Pflänzchen weiterentwickelt und werde natürlich hier drüber berichten. Es bleibt spannend!


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